DU BIST NICHT DER DUMME! MAN HAT DICH REINGELEGT
Diese Woche startet die LGR-SPI eine Kampagne gegen Betrug an Senioren. Beginn am Nachmittag, 18. März in Brixen
Ältere Menschen werden nicht zufällig betrogen. Sie werden gezielt ausgewählt. Wer diese Betrügereien organisiert, weiß genau, was er tut. Er sucht die Schwachstellen einer Altersgruppe, kennt deren Gewohnheiten, Ängste und Werte. Er weiß, dass es einem älteren Menschen, der in einer Kultur des Respekts vor Autoritäten aufgewachsen ist, schwerer fällt, einem angeblichen Beamten der Steuerbehörde einfach aufzulegen.
In Italien sind laut Angaben der Strafverfolgungsbehörden die über 65-Jährigen die Hauptopfer von Betrugsdelikten im häuslichen Umfeld und am Telefon, wobei jedes Jahr Tausende von Fällen angezeigt werden und viele weitere aus Scham oder der Überzeugung, nicht klug genug gewesen zu sein, nie gemeldet werden.
Die Liste möglicher Betrugsmaschen ist lang: Sie reicht vom vorgetäuschten Unfall über den falschen Techniker oder Beamten bis hin zur wundersamen Geldanlage oder dem falschen Enkel oder Verwandten, dessen Stimme sich mit künstlicher Intelligenz leicht nachahmen lässt. Die Masche der wundersamen Heilung ist die verabscheuungswürdigste, da sie Menschen täuscht, die oft an schweren Krankheiten leiden und auf diese Weise ausgenutzt werden.
Die Gründe für die größere Verletzlichkeit älterer Menschen haben nichts mit Dummheit oder Naivität zu tun. Ältere Menschen sind bevorzugte Ziele, weil sie oft in Einsamkeit und sozialer Isolation leben. So werden Spielhallen, Wettbüros und neue „Freunde“ zu Ersatzformen der Geselligkeit. Hinzu kommt ein größeres Vertrauen in Autoritäten, sodass Polizisten, Ärzte und Beamte als respektable Persönlichkeiten gelten, weshalb es ihnen schwerer fällt, jemanden anzuzweifeln, der eine Uniform trägt oder einen Ausweis vorzeigt.
Aber auch die finanziellen Mittel laden zum Betrug ein. Ältere Menschen beziehen ein festes monatliches Einkommen und verfügen oft über Ersparnisse, die sie im Laufe ihres Arbeitslebens angesammelt haben. Betrüger wissen das und nutzen es aus. Mit zunehmendem Alter schwächen sich die exekutiven Funktionen des Gehirns, die die Impulskontrolle und die Risikoeinschätzung regeln, tendenziell ab. Bestimmte Medikamente können zudem impulsives Verhalten verstärken. Es handelt sich dabei um physiologische Prozesse und nicht um Dummheit.
Leider hindert Scham oft daran, Anzeige zu erstatten, und die Angst, in den Augen der Kinder „senil“ zu wirken, führt dazu, dass viele Opfer nicht berichten, was geschehen ist, und die Betrüger ungestört bleiben. Die gemeldeten Fälle machen nur einen Teil des erlittenen Schadens aus. Aus diesem Grund müssen Angehörige den älteren Menschen im Auge behalten und rechtzeitig erkennen, dass etwas nicht stimmt. Häufige und ungewöhnliche Bargeldabhebungen, der Kauf teurer und unnötiger Produkte, die im Haus gefunden werden, neue „Freunde“ oder Bekannte, von denen zuvor nie die Rede war, oder verwirrende Schilderungen von Telefonaten oder Besuchen sind Anzeichen, die sorgfältig geprüft werden sollten.
Die Ratschläge für ältere Menschen scheinen offensichtlich, sind es angesichts der Betrugsfälle jedoch nicht. Öffnen Sie die Tür nicht für Fremde, und wenn diese sich als Techniker oder Beamte ausgeben, rufen Sie im Zweifelsfall die zuständige Behörde unter der offiziellen Nummer an und nicht unter der vom Besucher angegebenen Nummer. Gib niemals Geld oder Schmuck an Fremde weiter und lege in der Familie ein Codewort für echte Notfälle fest: Wer dieses nicht kennt, ist ein Betrüger. Und geben Sie vor allem niemals persönliche Daten am Telefon preis. Keine öffentliche Behörde oder Bank fragt auf diese Weise danach. Falls du dazu aufgefordert wirst, lege auf und ruf die Behörde direkt an.
Schließlich ist ein offenes Gespräch innerhalb der Familie über die Risiken die wirksamste Prävention. Diese Risiken zu besprechen, ohne Panik zu schüren, sondern klar und offen, ist das erste und wichtigste Mittel zur Abwehr. Wir als Gewerkschafter werden versuchen, dabei behilflich zu sein.
Alfred Ebner
